Schützengesellschaft - Schützenverein - Medelon (1889 - 1939)

Gründungsursache

Im Jahre 1889, als Johann Lefarth Gemeindevorsteher war, gründete man in Medelon einen Schützenverein. Aber der Schützenverein war nicht der erste Verein, der in Medelon aus der Taufe gehoben wurde. Der Vorläufer des Schützenvereins war ein Krieger- und Landwehrverein. Der Beweis: Ein damaliger Stempel trägt neben dem Vereinsnamen - Kriegerverein Medelon - den vaterländischen Spruch: "Mit Gott für König und Vaterland". Dieser Inschrift zufolge muss der Kriegerverein schon vor 1871 bestanden haben. Denn am 18. Januar 1871 wurde Wilhelm I. in Versailles zum Deutschen Kaiser gewählt. Danach hieß es dann: "Mit Gott für Kaiser und Reich".

Weil dem Kriegerverein nur Männer beitreten konnten, welche Soldaten waren, löste man den Kriegerverein auf und gründete die Schützengesellschaft 1889 Medelon. Nachdem einige Schützenfeste auf verschiedenen Wiesen, in Scheunen oder Lakenzelten gefeiert wurden, beschloss man im Jahre 1913 eine Schützenhalle zu bauen. Unter der Regie von Schützenhauptmann Wilhelm Rohleder wurde dieses in die Tat umgesetzt. Das Grundstück in einer Größe von 23,66 Ar wurde von der Gemeinde für 5.000,00 Reichsmark erworben. Das erworbene Grundstück wurde jedoch erst im Jahre 1930 für den Schützenverein aufgelassen, da der Schützenverein beim Erwerb des Grundstücks noch nicht gerichtlich eingetragen war. Erst als am 6. Juli 1930 der gerichtliche Eintragung in das Vereinsregister erfolgt war, wurde das Grundstück für den Schützenverein aufgelassen.

Im Jahre 1914 wurde bereits das erste Schützenfest in der neuen Halle gefeiert. Dann brach der Erste Weltkrieg aus. Beim Rückzug der deutschen Truppen im Jahre 1918 diente die Halle als Unterkunft für die deutschen Soldaten. Im Jahre 1919 wurde das erste Schützenfest nach dem Krieg gefeiert. In Deutschland begann nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg eine sehr schlechte Zeit; die Menschen verdienten sehr wenig Geld, der größte Teil war arbeitslos; es begann die Inflationszeit. Bis zum Jahre 1923 fungierte Wilhelm Rohleder als Schützenhauptmann. Zwischenzeitlich war Anton Werth für ein Jahr Schützenhauptmann.

Entstehung des Schützenwesens

Im Mittelalter, als die Raubritter im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation ihr Unwesen trieben, weil die regierenden Monarchen sich lieber in Italien aufhielten, als im Reich für Ordnung zu sorgen, zogen diese Raubritter raubend und plündernd durch die Dörfer und Ortschaften. Die wehrhaften Männer schlossen sich zu Schützengilden zusammen und schützten ihre Mitbürger vor den Raubrittern. Einmal im Jahr luden dann die Bürgermeister die Schützen zu einem Fest ein. Es gab Freibier und es wurde getanzt. Diese Schützenfeste mit FREIBIER haben sich in einigen Orten bis auf den heutigen Tag erhalten. Die Dorfschützer wollten aber zu ihrem Fest einen König haben. Sie setzten den Adler auf eine Stange, und der Schütze, welcher mit der Armbrust den Adler von der Stange holte, war der König. Aus den Reihen der Dorfschönen erwählte dann der König seine Königin. Die Schützengilde verpflichtete aber auch ihre Mitglieder zu einem ehrsamen Lebenswandel, zur Teilnahme an Prozessionen und Beerdigungen. Ferner verpflichteten sich die Schützen zur gegenseitigen Unterstützung in schwierigen Lebenslagen.

Das Geckschießen

Im Jahre 1921 wurde neben dem Vogelschießen auch das Geckschießen eingeführt. Der Geck übernahm die Funktion eines Hofnarren. Das Geckschießen wurde jedoch im Jahre 1925 wieder abgeschafft, weil aus dem Schützenfest ein karnevalistisches Treiben wurde. Im Jahre 1949 wurde nochmals versucht, das Geckschießen einzuführen. Es ist aber in der Folgezeit nicht wiederholt worden.

Es war inzwischen eine ungeheure Geltentwertung eingetreten (Inflation). Die dauerte bis 1923. Als Zahlungsmittel wurde die Deutsche Rentenmark eingeführt. Das deutsche Geld war stabil, aber sehr knapp.

An dieser Stelle sollen einige Protokolle Licht in unsere Vereinsgeschichte werfen:

Protokoll vom 02.01.1921 - Der Schützenverein Medelon wird in das Vereinsregister beim Amtsgericht in Medebach eingetragen, er bezeichnet sich jetzt: Schützenverein Medelon e.V.
Protokoll vom 01.10.1922 - Wer der Generalversammlung fernbleibt, zahlt Strafe, Verheiratete 5,-- Mark, Ledige 10,-- Mark.
Protokoll vom 02.04.1923 - Die Strafe bei Versäumnis der Generalversammlung wurde für Verheiratet auf 100,-- Mark und für Ledige auf 200,-- Mark erhöht. Neue Mitglieder sollen den Betrag von 1.000,-- Mark und eine Einschreibegebühr von 500,-- Mark, insgesamt also 1.500,-- Mark zahlen.
Protokoll vom 01.10.1923 - Der Jahresbeitrag wurde auf eine Million Mark erhöht.
Protokoll vom 06.01.1924 - Der Jahresbeitrag wurde neu auf 3,-- Goldmark (Rentenmark) festgesetzt. Um die laufenden Kosten decken zu können, wurde in der Versammlung eine Umlage von 50 Pfg. erhoben.
Protokoll vom 26.12.1924 - In die Schützenhalle soll eine elektrische Lichtanlage gelegt werden.

Nun zum weiteren Geschehen im Verein.

1923 gab Wilhelm Rohleder seinen Posten als Schützenhauptmann ab. Sein Nachfolger wurde Richard Hunold. Im Jahre 1929 trat der Schützenhauptmann Richard Hunold von seinem Posten zurück, sein Nachfolger wurde Karl Lefarth (Klaggeses).

1933 übernahmen die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland. Alle Verbände und Vereine wurden politisch gleichgeschaltet, der Schützenverein Medelon wurde in den Reichsbund für Leibesübungen eingegliedert.

Zunächst noch einige interessante Protokollwiedergaben:

Protokoll vom 03.07.1927 - Für die neuen Kirchenglocken spendete der Verein 100,-- RM.
Protokoll vom 05.10.1932 - Für Geräte und Maschinen, die in der Schützenhalle während der Wintermonate untergebracht werden, müssen pro Stück 10 Pfennig gezahlt werden.
Protokoll vom 08.10.1933 - Der neu gegründete Musikverein Medelon bekommt 50,-- RM überwiesen. Sollte er sich in den ersten fünf Jahren wieder auflösen, so müssen diese 50,--RM wieder zurückgezahlt werden.

1939 war nun das Jahr, in dem der Schützenverein Medelon sein 50-jähriges Jubiläumsfest veranstalten konnte. Alle ehemaligen Könige traten zum Vogelschießen an; Bernhard Schmidt (Zeltes) gelang es, dem Vogel den Garaus zu machen. Er wurde Jubiläumskönig, Josefa Kaiser (Langenackers) nahm er sich zu Königin.

Die Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg

Neuanfang - Vereinsleben - Schützenfeste

Am 1. September 1939 brach der Zweite Weltkrieg aus, viele Medeloner Schützen wurden zum Kriegsdienst einberufen. Dieser Krieg dauerte bis zum 8. Mai 1945. Die Schützenhalle diente während des Krieges als russisches Gefangenenlager. Für die Flüchtlinge aus dem Osten wurde die Schützenhalle provisorisch in einigermaßen menschenwürdige Wohnungen hergerichtet.

Im Jahre 1945 wurde der Schützenverein von den alliierten Besatzungsmächten aufgelöst, weil er nach ihrer Meinung eine militärähnliche Einrichtung war. Das Vereinsvermögen wurde beschlagnahmt. Paul Lefarth (Wilmes) wurde zum Treuhänder bestimmt. Aber im Jahre 1949 wurde dieses Verbot aufgehoben, und die Schützenvereine wurden als Bruderschaften wieder zugelassen. Am 8. Mai 1949 fand dann auch die Gründungsversammlung statt. Es wurde einstimmig beschlossen, den aufgelösten "Schützenverein Medelon" unter der Bezeichnung "St.-Engelbertus-Schützenbruderschaft 1889 Medelon" zu statuieren.

Der jeweilige Pfarrvikar der katholischen Kirchengemeinde Medelon ist geborenes Mitglied des Vorstandes im Range eines geistlichen Beirates (Präses).

Durch die Bemühungen der Kirchen hatte die englische Besatzungsmacht das Verbot, Schützenfeste zu feiern, wieder aufgehoben. Es durfte jedoch nicht geschossen werden, sondern der Vogel musste mit Keulen oder sonstigen Wurfgeschossen heruntergeholt werden. So wurde 1947 das erste Nachkriegsschützenfest gefeiert, obwohl noch einige Medeloner als Kriegsgefangene auf ihre Entlassung warteten.

Alkoholische Getränke waren zu dieser Zeit sehr knapp. Viele brachten daher ihre selbstgebrannten Schnapssorten mit in die Halle. Die Theke befand sich in den Jahren nach dem Kriege an der südlichen Seite der Halle, da die Hälfte der Schützenhalle in Notwohnungen umgebaut war. Zusätzlich wurde ein Lakenzelt aufgestellt. 1948 musste wieder mit Keulen und Knüppeln geworfen werden. 1949, 1950 und 1951 wurde wieder mit dem Kleinkalibergewehr der Schützenvogel abgeschossen.

Der Adjutant ritt früher zu Pferde vor dem Festzug und war während des Vogelschießens der Kurier. Wenn der jeweilige König ermittelt war und seine Königin und den Hofstaat bestimmt hatte, ritt der Adjutant zur Königin und zum Hofstaat, um ihnen Meldung zu machen, zu welchen Ehren sie gelangt waren. Die Schützen verweilten - bei kühlem Bier - so lange, bis der Adjutant zurückgeritten kam und Meldung machte, dass die Königin und Hofstaat angenommen hatten; vorher marschierte die Schützenkompanie mit ihrem neuen König nicht in das Dorf zurück. - Eine Königin konnte zu damaliger Zeit nicht ablehnen, sonst wurde ihr das Betreten der Schützenhalle für sieben Jahre verwehrt.

Ab 1952 durfte wieder mit dem Karabiner auf den Schützenvogel geschossen werden, so wie man es aus früheren Jahren kannte. 1954 trat der bisherige Schützenvorstand unter der Führung von Karl Lefarth (Klaggeses) geschlossen zurück, jüngere Schützen wurden an die Spitze gewählt. Neuer Schützenhauptmann wurde Wilhelm Klüppel, der bisherige Schützenhauptmann wurde zum Ehrenhauptmann ernannt.

Im Jahre 1957 fand das erste Kreisschützenfest des Kreisschützenbundes Brilon in Medebach statt. Der Schützenkönig von Medelon, Gerhard Lefarth (Marianneses), erzielte die höchste Ringzahl und war somit Kreisschützenkönig des Kreisschützenbundes Brilon.
Alle Schützenbruderschaften waren über den Kreisschützenbund dem Sauerländer Schützenbund angeschlossen, welcher sich den Wahlspruch "Glaube - Sitte - Heimat" zu eigen gemacht hat, das heißt: Treue zu Väterglauben und Sitte, den Armen zu helfen sowie Pflege des heimatlichen Brauchtums sind wesentliche Aufgaben der Bruderschaften.

Der Vizekönig

Falls ein König während seiner Regentzeit durch Tod oder sonstige Umstände ausfiel, ist es vorgekommen, dass dann in einem Jahr zweimal Vogelschießen sein musste. Um sich dieses zu ersparen, wurde beschlossen, wer die Krone des Schützenvogels abschießt, ist Vizekönig und muss den amtierenden König, falls ihm etwas zustößt, in allen Ehren vertreten.

Kugelfang im "Kuckucksloch"

Laut polizeilicher Verordnung musste im Jahre 1964 ein neuer Kugelfang errichtet werden. Der provisorische Kugelfang, welcher auf der Halde vor dem Steinbruch stand, wurde nicht länger genehmigt. Man erwarb von der VEW einen ausgedienten Gittermast. Die Gemeinde Medelon stellt das Grundstück zur Verfügung. Am 1. Mai morgens um 4 Uhr starteten die Schützenbrüder mit den nötigen Geräten zum Arbeitseinsatz in Richtung "Kuckucksloch". Gegen 11 Uhr war die Arbeit geschafft. Im Frühjahr 2002 wurde an der gleichen Stelle eine neue Vogelstange mit Kugelfang mit modernster Technik und Sicherheit errichtet.

Im Jahre 1964 konnte die St.-Engelbertus-Schützenbruderschaft Medelon" auf ihr 75-jähriges Bestehen zurückblicken. Bei diesem Jubiläumsschützenfest wurde wiederum Bernhard Schmidt Jubelkönig und Josefa Kaiser Jubelkönigin.

Kreisschützenfest am 12. und 13. September 1981

Als herausragendes Ereignis in der Geschichte des Vereins kann man wohl das Kreisschützenfest ansehen, welches in Medelon am 12. und 13. September 1981 gefeiert wurde. In vielen Versammlungen teils mit, teils ohne Kreisvorstand wurde das Fest vorbereitet. Um die Vielzahl der Gastvereine aufnehmen zu können, wurde ein Lakenzelt von 55 x 20 Meter aufgestellt. Am Königsschießen nahmen 46 Könige des Kreisschützenbundes teil. Kreiskönig wurde Leo van der Rohde von der St.-Cyriakus-Schützenbruderschaft Bruchhausen 1872 e.V. Am großen Festzug nahmen ca. 2.700 Personen teil.

In der Generalversammlung am 27. Dezember 1981 stellte sich Heinz Werth, nachdem er 28 Jahre als aktives Mitglied im Vorstand mitgewirkt hatte, davon 18 Jahre als Hauptmann, nicht zur Wiederwahl. Für die großen Verdienste, die er sich in dieser Zeit erworben hat, wurde er von der Versammlung zum Ehrenoberst ernannt. Als neuer Hauptmann wurde Theo Padberg gewählt.

Auf dem Stadtschützenfest am 11. September 1982 in Dreislar wurde der Medeloner König Franz Schweinsberg (Ackers) Stadtkönig.

Im Jahre 1989 wurde das 100-jährige Jubiläumsschützenfest gefeiert. Die Jubelkönigswürde errang Josef Schweinsberg (Feldhofs) und er erkor sich seine Frau Johanna Schweinsberg zur Jubelkönigin.

Am 2. September 1994 beim Stadtschützenfest in Medebach wurde das Medeloner Königspaar Jürgen und Monika Lefarth Stadtschützenkönigspaar. Dieses Stadtschützenfest war mit dem Europa-Schützenfest in Medebach gekoppelt, welches an den beiden folgenden Tagen stattfand.

m September 1997 war die St.-Engelbertus-Schützenbruderschaft Medelon Ausrichter des Stadtschützenfestes. Zu diesem Anlass wurde wieder ein Lakenzelt an die Schützenhalle angebaut. Stadtschützenkönig wurde Ferdi Assmuth vom Bürgerschützenverein Düdinghausen.

Ganz besondere Erlebnisse waren die Teilnahmen am Europaschützenfest vom 28.-30. August 1998 in Krakau in Polen und vom 24.-27. August 2000 in Garrel in Niedersachsen.

In der Generalversammlung im Dezember 2001 stellte sich Schützenhauptmann Theo Padberg nicht mehr zur Wahl. Er war 20 Jahre Hauptmann und 1. Vorsitzender des Vereins und noch viele Jahre länger im Vorstand tätig. Er wurde von der Generalversammlung einstimmig zum Ehrenhauptmann ernannt. Zu seinem Nachfolger wurde Helmut Niggemann gewählt.

Unser Wappen

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Der Preußenadler mit dem St.Engelbertus-Schild bildet seit dem Jahre 1965 das Wappen der Schützenbruderschaft Medelon. Der Vorläufer des Schützenvereins Medelon war der Kriegerverein Medelon. Weil die Mitgliedschaft im Kriegerverein nur die Männer erlangen konnten, welche die aktive Dienstzeit beim Militär abgeleistet hatten oder Kriegsteilnehmer waren, entschloss man sich daher im Jahre 1889, den Kriegerverein aufzulösen und einen Schützenverein zu gründen. Dem Schützenverein konnten von nun an alle Männer beitreten, welche das 17. Lebensjahr vollendet hatten. Das Gründungsdatum des Kriegervereins ist nicht mehr genau festzustellen. Es ist aber anzunehmen, daß es zwischen den drei glorreichen Kriegen 1864, 1866 und 1870 - 1871 geschehen ist.

Der Preußenadler war dass Symbol des Kriegervereins im Königreich Preußen.

Im Jahre 1947 wurde aus dem Schützenverein Medelon eine Schützenbruderschaft, weil der Schützenverein im Dritten Reich dem Reichsbund für Leibesübungen angehört hat. Da nun St. Engelbertus der Patron der katholischen Kirchengemeinde seit 1697 war, wählte ihn die Generalversammlung auch zum Schutzpatron der Schützenbruderschaft.

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